Über uns

Dass wir eine rote Ampel nicht überfahren, mehr oder weniger bedenkenlos mit der Chipkarte den Einkauf bezahlen, oder das ans Ohr dringende ‚Geräusch’ scheinbar automatisch als klingelndes Telefon interpretieren, während wir schon reflexartig zum Hörer greifen, scheint ganz selbstverständlich und überaus alltäglich zu sein. Doch was sind eigentlich die Voraussetzungen dafür, dass wir all dies und vieles mehr einfach tun oder tun können?

Diesen Fragen möchte sich der Arbeitskreis Kultur- und Sozialphilosophie am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig widmen, indem die beteiligten WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Perspektiven nach den Bedingungen der Möglichkeit von Kultur und Gesellschaft fragen. Dabei fassen wir die uns umgebende Welt als keine von Menschen unabhängige Gegebenheit auf, sondern erforschen die menschliche Konstruktion von Wirklichkeit. Wir verstehen also unter ‚Welt‘ eine vom Menschen gemeinsam hergestellte und gedeutete Welt. Diese ist gleichsam unsere „zweite Natur“ – mit anderen Worten: die von Menschen hervorgebrachte Kultur. Dieser weite Kulturbegriff umfasst sowohl die Lebensweisen des Menschen, als auch alles vom Menschen Hervorgebrachte, das heißt seine Lebenswelt mitsamt ihren materiellen Kulturgütern und immateriellen Objektivationen: Sprache, Kunst, Mythos, Religion, Recht, Technik etc. Der weite Kulturbegriff beinhaltet zudem die Annahme, dass der Mensch nur aufgrund seiner kulturellen und sozialen Geprägtheit Zugang zu seiner Welt und Wirklichkeit hat. Daher sind innerhalb des Forschungsprogramms insbesondere die spannungsreichen Prozesse zwischen Herstellung, Vermittlung und Aneignung von kulturellen und sozialen Phänomenen von Interesse.

Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts prägte Moritz Lazarus, ein Wort Ciceros aufnehmend, diesen modernen Kulturbegriff der „zweiten Natur“ resp. natura altera. Damit begründete er eine kulturwissenschaftliche Tradition, deren Aufgabe die systematische Erforschung der so selbstverständlich und alltäglich erscheinenden Kultur- resp. Sozialwelt ist. Gemeinsam ist uns folglich der Anschluss an Theoretiker, die in einer Traditionslinie von Moritz Lazarus ausgehend Kultur als konstitutives Merkmal jedes Zugangs zu Welt begreifen, so z.B. Georg Simmel, Ernst Cassirer, Michael Landmann, Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann, um nur einige Autoren zu nennen.

Ziel des Arbeitskreises Kultur- und Sozialphilosophie ist es dabei vor allem, ein interaktives Forum für wissenschaftlichen Austausch und Vernetzung über das Projekt einer Verschränkung von Kultur- und Sozialphilosophie zu bieten, das selbstverständlich über das Leipziger Institut für Kulturwissenschaften hinaus allen interessierten WissenschaftlerInnen offen steht. Schließlich ist jede Kultur- und Sozialphilosophie mehr eine Aufgabe als ein abgeschlossenes Wissensgebiet.

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